Jakobus 5,16 – Was meint Jakobus damit?

“Bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, sodass ihr heil werdet.”

Im Grunde genommen ist es ziemlich simpel, wie Jakobus das meint. Dennoch wird dieser Vers der Bibel oft völlig missverstanden.

Zuerst schauen wir mal, wie ernst Jesus das Thema Sünde nimmt (z.B. in Matthäus 5,21-30)…

Jeder Gedanke, in dem ich nicht liebevoll einer anderen Person gegenüber bin und ihr eigentlich nichts Gutes wünschen würde, ist ungerecht; Hass gegenüber meinem Nächsten ist für Gott gleich einer Ermordung meines Nächsten… und Hass beginnt in Gedanken, wird manchmal in Worten zum Ausdruck gebracht und endet im schlimmsten Fall in Mord.

Eigentlich kann ich es vereinfacht auch so sagen: 

Um eine ‘rote Linie’ zu überschreiten, muss ein ganzer Weg vorher schon gegangen worden sein, um an diese Linie erstmal zu kommen.

Wir Menschen ziehen oft eine Linie… zum Beispiel beim Thema Hass gegenüber meinem Nächsten, sexueller Unmoral, Habsucht, Neid, Stolz und so weiter. Könnte es sein, dass wir diese Linie dort ziehen, wo Gedanken noch nicht zu Worten geworden sind? Dabei existiert eine solche Linie erst gar nicht. Für einen mag sie existieren, weil wir damit versuchen, etwas Äußeres aufrechtzuerhalten, während innerlich alles ganz anders ist, als wir es zeigen möchten.

Doch Jesus zieht keine Linie, er macht keine Grenze… für ihn gibt es nur schwarz oder weiß. Ich bin in Jesu Augen ein Mörder, wenn ich an meinen Nächsten mit Hass denke.

Ich möchte hier, mit meiner Ausdrucksweise, nur das formulieren, was Jesus mit seinen Worten in diesen Versen meinte. Das zu verstehen ist sehr wichtig für die nächste Frage, über die ich im Eigentlichen schreiben wollte.

Jesus geht es um mein Herz, es geht ihm um mein ganzes Sein. Deshalb sollte und muss es mir auch um mein Herz, um mein ganzes Sein gehen.

Ja, ich bin sündig. Ich tue das nicht, was ich liebe, stattdessen tue ich das, was ich hasse… (Römer 7,15), ich stimme mit Paulus überein. Ich weiß gut, wie sündhaft ich bin. Ich sehe, wie schnell ich dabei bin, zu sündigen… zu fallen… und ich bereue es zutiefst in mir drin.

Niemand ist ohne Sünde und niemand wird jemals auf dieser Erde komplett sündlos werden. Wir haben – als Christen – immer noch Sünde in uns, deshalb schreibt Paulus dieses prägnante Zeugnis über sich selbst in Römer 7,14-25. Wir werden hier auf Erden nicht vollständig erlöst sein von diesem Körper, diesem ‘Fleischlichen’.

Man könnte diesen Vers von Jakobus, in dem er sagt, dass wir einander unsere Sünden bekennen und füreinander beten sollen, sodass wir heil werden, so verstehen, dass wir – als Christen – einer anderen Person unsere Sünden bekennen, um Vergebung unserer Schuld zu empfangen. 

Das würde dann bedeuten, dass ich eigentlich täglich, mehrmals am Tag mit dieser geistlich reifen Person reden müsste und jedes Mal alles aufzählen müsste, wo ich mich wieder versündigt hätte.

Wenn Jesus es so ernst meint, dass ein Mensch, der Hass in sich trägt, gleich einem Mörder ist, dann ist es praktisch nicht möglich, dass ich immer einen Menschen brauche, dem ich meine Schuld bekenne. 

Schuldbekenntnis bedeutet, dass ich mit Gottes Urteil – über mich – übereinstimme. Ich sehe mich im Licht Gottes, sehe meine Schuld und das Urteil, welches eigentlich über meinem Leben stehen sollte. Ich sage über mich das gleiche, was Gott über mich sagt. Ich nehme das Urteil an, dass ich sündig bin und bin mir dessen bewusst. Ich muss dazu keine Sünde ausgesprochen haben, denn das Bekenntnis geht weit über das hinaus, mit Worten zu bekennen, was ich getan habe. Es ist vielmehr eine Einstellung und ein Bewusstsein, wie auch Paulus diese Erkenntnis in Römer 7,14-25 beschreibt.

Ich bekenne dieses Bewusstsein der Sündhaftigkeit allein vor Gott, denn auch für dieses Bekenntnis brauche ich keine andere Person. Ich habe Jesus und er ist alles, was ich brauche…

Diese geistlich reife Person ist auch nur ein Mensch, welcher selbst in diesem Kampf des Glaubens steht. Es ist für mich unmöglich, alle Sünden einem anderen zu bekennen – im richtigen Verständnis der Sünde.

Noch ein anderer Gedanke…

Würde man – mit diesem Verständnis der Seelsorge – damit nicht auch die Rolle des Hohepriesters einnehmen, welcher im Alten Testament stellvertretend für das Volk Opfer darbrachte, um Vergebung für die Menschen zu erlangen?

Wenn eine Person diese Rolle einnimmt, sind Menschen von ihr abhängig, sie trägt vielleicht sogar zusätzlich Lasten, die nicht zum Tragen gedacht sind und diese Person steht dann zwischen mir und Gott.

Es darf nicht passieren, dass jemand zwischen mir und Gott steht – warum nicht? Weil Gott mein Vater ist, er mich liebt und ich nicht zulassen kann, dass eine andere Person in meiner Beziehung zu Gott dazwischen steht. Es ist eine ganz persönliche Beziehung zu Jesus, welche durch den Heiligen Geist lebendig gemacht wurde und ich darf darin leben.

Jesus ist mein Hohepriester, wie es in 1. Johannes 2,1 heißt. Ich habe in Jesus einen Hohepriester, welcher selbst das Passahlamm – einmal für immer geschlachtet – und der barmherzige Hohepriester ist.

Nur Jesus allein spricht für mich vor dem Thron Gottes, nur IHM allein vertraue ich mein Herz an und nur ER allein ist derjenige, der meinen Platz eingenommen hat, damit ich seine Gerechtigkeit meine Gerechtigkeit nennen kann. Nur Jesus allein kann Vergebung aussprechen und einen Menschen ganz machen… nur Jesus kann Herzen auf ewig berühren und zur Ewigkeit berufen… nur ER schafft in mir ein reines Herz.

In Hebräer 4,16 ist davon die Rede, dass wir zuversichtlich zum Thron der Gnade kommen sollen, um Barmherzigkeit zu bekommen und Gnade zu finden, wann immer wir Hilfe brauchen.

Das sollte unsere Einstellung uns selbst und anderen gegenüber sein. Es gibt keine Verurteilung mehr für den, der in Christus ist (Römer 8,1)… dennoch sind wir vielleicht schnell dabei, uns zu verurteilen. Wir dürfen wissen, dass wir an seinem Thron der Gnade Barmherzigkeit bekommen und Gnade finden, immer, wenn wir es brauchen. Es ist eine Einladung und wir können diese annehmen und ein Leben in Freiheit leben.

Was meint Jakobus nun damit, dass wir einander unsere Sünden bekennen und füreinander beten sollen, damit wir heil werden?

Es ist hier von Heilung die Rede – nicht von Vergebung, was ein wichtiger Unterschied ist. Was bedeutet Heilung in diesem Kontext? Es bedeutet, dass ich verletzt wurde, verletzt bin und mir menschliche Hilfe nützlich sein kann, um Wahrheit und Liebe zu erfahren, damit ich heilen kann.

Wenn ich verzweifelt bin und nicht weiß, wie ich mir helfen kann, ist ein Rat einer Person, welche auf Siege zurückblicken kann, goldwert.

Ein gläubiger Freund ist für dich da, wenn du nicht weiter weißt und in dieser Schuld und der Verurteilung dir selbst gegenüber gefangen bist… du kannst diese Person um Gebet bitten und dein Anliegen teilen, es sie wissen lassen und so nicht alleine mit diesem Problem bleiben. Schuld kann auch so vor den Thron der Gnade gelegt werden.

Ein anderer Gläubiger ist für dich da, damit du reden kannst, du ehrlich über Dinge reden kannst, mit denen du kämpfst und über die du vielleicht zuerst nicht einmal reden kannst… und damit er dir zuhören kann, dir Rat gibt und dich unterstützt, ermutigt und aufbaut. Im Prinzip spricht diese Person die Wahrheit in Liebe – für dich. Du bekommst, was du brauchst, um Heilen zu können und anderen genau diese Liebe und das Erbarmen entgegenzubringen. Schwierige Bibelstellen können diskutiert und erklärt, kommentiert und argumentiert werden, damit ich im Verständnis des Wortes wachsen kann und so heil werde.

Vertrauliche Gespräche können einem Menschen die Wahrheit über sich selbst, über Gott und über andere Themen offenlegen und so Freiheit schenken. Ein vertrauliches Gespräch sollte unbedingt im richtigen Kontext und in der richtigen, aufbauenden Weise geschehen.

Seelsorge ist ein Geschenk, in welchem wir Heilung finden können, denn zu wissen, dass eine Person mein persönliches Problem kennt und für mich betet, ermutigt mich und zeigt mir, wie wichtig Gemeinschaft unter Gläubigen ist.

Wir brauchen einander. Wir brauchen es, geliebt zu werden. Wir brauchen es verstanden zu werden und Barmherzigkeit zu erfahren. Wir brauchen andere Menschen, die selbst im Glauben stehen, um ermutigt zu werden und selbst zu ermutigen und Liebe zu verbreiten. Wir alle stehen in einem Kampf und wie viel mehr brauchen wir da Menschen, die uns aufbauen, statt das zu vernichten, was vielleicht gerade noch am Anfang stand? Wir alle brauchen es zu wissen, dass wir mit dies oder jenem nicht alleine sind. Wir sind niemals alleine, das wissen wir, denn Jesus verlässt uns niemals, das hat er versprochen. Dennoch kann es so wunderbar ermutigend sein, mit gläubigen Menschen zusammen zu sein, zu stehen und zu beten.

Mit ganz viel Liebe,

eure Carolin

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