Wie ein Besuch meine Denkweise über das Alt-werden sprengte…

Ich kannte ältere Menschen meist im Zusammenhang mit einer trostlosen, einsamen Lebenseinstellung, die von Schmerzen und um-sich-selbst-drehen geprägt war. Oft war der Besuch einer alten, kränklichen Person damit verbunden, gedanklich in die Vergangenheit zu reisen und all die schönen und auch schweren Dinge zu teilen und sich über heutige Gewohnheiten und die aktuelle Politik oder (a-)soziale Gesellschaft zu echauffieren.

Das gab mir den Anlass, genau so etwas von eben jener alten Dame zu erwarten, welche wir (ein Teil meiner Familie und ich) an einem Sonntag im August letzten Jahres besuchen wollten und ich stellte mich darauf ein, während wir uns auf dem Weg dorthin befanden. Wie die meisten meiner Familie, hatte auch ich sie noch nie gesehen.

Schon die erste Begegnung war etwas besonderes, denn sie zeigte sich interessiert, nahm meine kleinen Brüder direkt in den Arm und war so glücklich über unseren Besuch, dass ihre Augen von Tränen der Freude feucht wurden und sie diese dann trocknen musste.

Beim Kaffee trinken erzählte sie uns, wie es sie bewegte und traurig stimmte, dass die alten Menschen in diesem Heim keine Hoffnung mehr hätten. Die wenigsten hatten Kinder oder andere Verwandte, die sich wirklich um sie kümmern oder sie zumindest besuchen kommen würden. Darin sah sie ihre Chance, von Jesus zu erzählen, worin sich ihre Hoffnung gründete. Sie sprach auch von anstrengenden, alten Menschen im Heim, die sie nicht verstanden haben und vieles dafür gegeben hätten, dass sie ihre Hoffnung auf die Ewigkeit nicht so überzeugt leben würde, doch sie brannte für Ihn und strahlte eine tiefgehende Freude aus – wie also hätte sie mit diesen Menschen nicht von Ihm reden können?

Die Freude, die sie in Jesus hatte, war eines ihrer Hauptthemen über das sie sprach.. sie erzählte von dieser Freude als Privileg und war deshalb Jesus so dankbar.

Sie beschäftigte sich liebevoll mit meinen Brüdern, spielte mit ihnen und gewann sie lieb. Humorvoll und aufrichtig, voller Liebe und zufrieden – dankbar – war sie.

Bilder von ihren eigenen Kindern, Verwandten und Freunden sammelte sie bei sich, um in schlaflosen Nächten für jeden Einzelnen zu beten und so fragte sie auch nach einem Bild von uns, um auch für uns zu beten – so ein Herz für andere, mitfühlend und einstehend, betend, erinnerte mich an Jesu Herz.

Dieser eine Besuch bei ihr sprengte meine bisherige Denkweise über das Alt-werden… es gab mir Hoffnung, im Alter auch glücklich, dankbar, hoffnungsvoll, liebevoll und humorvoll sein zu können – durch Jesus (Römer 15,13 / 2. Timotheus 1,7).

Sie war allerdings nicht immer so aufgeschlossen, glücklich und herzlich. Auch sie befand sich lange in Gesetzlichkeit und Religiosität, anstatt in liebevoller Beziehung mit Jesus… diese Veränderung gibt mir noch mehr Anlass hoffnungsvoll zu sein und mich über Jesus zu freuen. Denn ER ist es, der Seine Schafe dazu bringt, Ihn kennen zu lernen und Er sorgt dafür, dass sie zu Ihm gezogen werden und dort die Freude und die Freiheit erleben, die wir in Christus haben (Galater 5,1).

Ein Mensch, der durch Jesus befreit und lebendig gemacht wurde, lebt in Freiheit und in einer grundlegenden Freude in Jesus.

Sei dieser Mensch aus Gesetzlichkeit, der Religion, oder aus Gesetzlosigkeit, der Säkularität, befreit – es braucht ein Wunder, das Eingreifen und Wirken Gottes und wenn Jesus diesen Menschen zu sich zieht, dann entdeckt er die Freiheit des Lebens in Ihm.

Diese liebe Dame, von der ich spreche, ging am Samstag heim zu Jesus und ich kann nicht sagen, wie ich mich für sie freue, Jesus wirklich sehen zu dürfen – sie weiß und sieht jetzt so viel mehr, als wir auf dieser Erde jemals erkennen und erleben können.

Ich freue mich auf dieses Wiedersehen im Himmel, wo weder Leid noch Endlichkeit sein wird und weder Alter noch Entfernung irgendeine Distanz schafft – doch noch mehr freue ich mich darauf, Jesus selbst zu sehen und vollständig erkennen zu können, wer Er ist.

Danke Jesus für diesen Mut, den mir diese Frau für das Alt-werden gemacht hat.

Danke für sie, dass ich sie noch so erlebt habe…

Dieser Beitrag soll ein herzlicher Nachruf für Tante Gerda sein, in liebevoller Erinnerung – Du hast bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und dafür danke ich unserem Jesus. Ich habe durch dich gelernt, womit ich niemals gerechnet hätte und habe erkannt, dass Alt-werden nicht zwingend mit Unzufriedenheit und Trostlosigkeit verbunden ist.

Danke – Danke, Jesus.

Abonniere meine Seite & du bekommst alle Neuigkeiten mit

Hinterlasse einen Kommentar