Beim Lesen in den Psalmen, wo ich grade mit meinem Bibellesen bin, kam ich an einen besonderen Vers… in Pslam 25, 10 schreibt David: “Alle Pfade des Herrn sind Gnade und Wahrheit für die, die seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren.”
Da wurde mir plötzlich etwas klar. “Gnade und Wahrheit” – diese Kombination, diese Ausdrucksweise kenne ich von Johannes. Im Johannes Evangelium spricht er davon, dass durch Jesus uns Gnade und Wahrheit gebracht wurde.
”Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht” (Johannes 1, 16 – 18).
Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Wenn das Gesetz hier im Kontrast zur Gnade und Wahrheit aufgeführt wird, dann kann es nicht die “ganze Wahrheit” Gottes gewesen sein… denn diese ist durch genau Einen geworden – Jesus Christus. Im Gesetz war weder die Gnade beinhaltet noch zeigte das die ganze Wahrheit, die Gott uns offenbaren wollte. Um das zu tun, sandte Er seinen Sohn. Im Text heißt es, dass niemand jemals Gott gesehen hat. Niemand kann mir sagen “so” ist Gott, so sieht er aus… der eingeborene Sohn aber, der, der von Ewigkeit her war, weil Er Gott ist, der hat ihn kundgemacht. Er, Jesus Christus, hat uns den Vater vorgestellt. Er hat uns gezeigt, wie Gott ist. Er hat Gnade und Wahrheit sozusagen werden lassen.
Ich frage mich, wie es aber nun sein kann, dass in Jesus Gnade und Wahrheit geworden ist. Warum hat Er die Gnade und die Wahrheit nicht “gebracht”?
Johannes schrieb absichtlich, dass diese beiden Dinge geworden sind durch Christus und nicht gebracht wurden und gekommen sind durch Ihn. Hier ist das warum: Zur Zeit des Alten Testaments gab es Menschen, die genau wie auch wir, gerettet wurden, durch dasselbe Mittel, durch das alle Menschen gerettet werden – allein durch Glauben und allein durch Gottes Gnade. Diese Wahrheit Gottes, die auch als Geheimnis Gottes bezeichnet wird, wurde auch Menschen im Alten Testament offenbart, doch nicht in der gleichen Weise wie im Neuen Testament und auch zur jetzigen Zeit. Damals sprach Gott in vielerlei Weise durch seine Propheten, die seine Botschaft verkündeten. Als die Fülle der Zeit aber kam, sandte Gott seinen Sohn, durch den Er in vollkommener Art und Weise offenbarte, wer Er ist (nachzulesen in Hebräer 1 und Galater 4).
So hat Gott Gnade und Wahrheit schon in die Welt irgendwie gesandt, denn Er hat durch seine Gnade Menschen die Wahrheit offenbart, durch das Reden der Propheten und das Verständnis durch den Heiligen Geist, aber geworden ist es durch Jesus. Geworden und Bestand hat es nur deshalb, weil Jesus Mensch geworden ist, das stellvertretende Opfer für uns wurde und so Gnade überhaupt möglich machte und die Wahrheit über die Errettung erst entstand, also offensichtlich, tatsächlich, stattfand.
Da Gott größer ist als unser Verstand es begreifen kann, hat Er aus purer Gnade Menschen errettet, die gelebt haben, lange bevor Jesus auf die Welt kam, um das Werk zu vollbringen, zudem Er gesandt wurde. Das war nur möglich, weil das Erlösungswerk von Jesus geschehen würde.
Heute blicken wir auf das vollbrachte Werk zurück und staunen darüber, dass Jesus kam, sich erniedrigte um Mensch zu werden und dann bis ans Kreuz ging, den Kelch trank und für unsere Schuld starb. Nur, weil Jesus für mich gestorben und auferstanden ist, bin ich gerettet und für ewig Sein.
Ich blicke zurück, während die Gläubigen im Alten Testament erwarteten, wovor ich bestaunend stehen darf. Die Errettung, die Erlösung durch das Blut des einzig wahren Lammes ist aber dasselbe. Es ist eine Rettung, ein erlösendes Blut, ein Lamm, ein, ein für alle mal geschehenes Opfer des Leibes Jesu Christi (Hebräer 10, 10).
Nachdem ich ein wenig beleuchtet habe, was es bedeutet, dass Johannes davon spricht, dass Gnade und Wahrheit durch Jesus Christus geworden ist, möchte ich die Gnade Gottes und Seine Wahrheit genauer ansehen.
Gnade ist, dass ich etwas nicht bekomme, was ich eigentlich verdient hätte. Ich werde gerettet und komme nicht ins Gericht, werde nicht von Gott gerichtet, wie ich es eigentlich verdient hätte. Deshalb werde ich durch die Gnade gerettet. Gott hat sich dazu entschieden, mir gnädig zu begegnen und mich nicht so zu behandeln, wie es mir zustehen würde, sondern Er wollte mir in Liebe begegnen und mich Sein nennen. Darum: Gnade.
Gnade ist ein zuvorkommendes Geschenk… etwas, das ich mir nicht erarbeiten oder “verdienen” könnte. Es wird mir einfach geschenkt. Einfach weil Gott es so wollte.
Auch wenn ich dazu neige, zu denken, dass Gnade etwas Reagierendes sei, weil Gott in seiner Gnade auf mein Fehlverhalten “reagiert”, indem er mir vergibt, darf ich mich immer wieder daran erinnern, dass Gnade in mein Leben ausgeschüttet wurde, lange bevor ich von meiner Sünde und der Schuld wusste. Gott ging mir voraus und hat Gnade nicht nur möglich gemacht – auch wenn das schon ein eigen-zu-bestaunendes Wunder wäre – sondern Gnade auch überreich in mein Leben ausgegossen. Jeden Morgen ist Seine Gnade neu, da, hier, in mein Herz ausgegossen.
All das mag für mich Sinn ergeben, aber wenn ich nicht ergriffen bin von Jesus sind all das nur tote Buchstaben vor einem noch “toteren” Hintergrund. Und das allein schenkt nur Gott durch seinen Geist, aus Gnade… dass ich zur Erkenntnis gelangen darf, dass ich durchdrungen sein darf von der Person Jesus.
Gottes Wahrheit ist hier nicht unwesentlich. Durch die Wahrheit über Ihn als Herrscher, Richter, mein Vater und über Sein Wesen, Seine Person und auch durch die Wahrheit über mich selbst, meine Sündhaftigkeit und Schwäche, macht Jesus und sein Erlösungswerk erst so wirklich schön, so wirklich herrlich und erstrebenswert-zu-begreifen (auch wenn das in der Fülle nie der Fall sein wird).
Jesus offenbarte in seiner Zeit auf Erden, durch die Auslegung des Alten Testaments, das Wesen seines Vaters in wunderbarer Weise. Er erklärte und gebrauchte die Schrift der Schrift gemäß und so sprach Er die Wahrheit über das, was Gott lange schon verkündet und vorhergesagt hatte.
Die Frage bei offenbarter Wahrheit ist lediglich “Glaubst Du?” Oder “Glaubst Du’s nicht?” Und auch der Glaube daran muss geschenkt werden, vom Heiligen Geist. Das einzige, was mir und uns allen übrig bleibt, ist Gott um seine Gnade und die Einsicht in seine Wahrheit zu bitten.
Wie gut ist es zu wissen, dass ich denjenigen einfach bitten darf, der sogar erbeten werden will. Er möchte, dass ich komme und frage. Er will, dass ich mein unverständiges Herz auf ihn ausrichte und mich danach ausstrecke, mehr von Ihm zu begreifen.
Das ist herrlich. Danke, Jesus für das Werk, das Du vollbracht hast.
liebevoll, Carolin
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