Gott hat gerichtet

“Horch! Ein Geschrei aus Babel und große Zertrümmerung vom Land der Chaldäer her. Denn der HERR verwüstet Babel und tilgt daraus das laute Getöse; und es brausen seine Wogen wie große Wasser, es erschallt das Geräusch ihres Getöses. Denn über es, über Babel, kommt ein Verwüster; und seine Helden werden Gefangene ihre Bogen sind zerbrochen. Denn ein Gott der Vergeltung ist der HERR, er wird gewiss vergelten.”

(Jeremia 51, 54-56)

Gott richtet und vollzieht seine Vergeltung. Er schüttet seinen Zorn über Ungerechtigkeit und Sünde aus, denn Er ist gerecht. Weil Er der einzige wirklich-gerechte ist, ist alles, was er tut und vollzieht, definitionsgemäß gerecht. Was er tut kann nicht ungerecht sein, weil Er nicht ungerecht ist. Gott definiert Gerechtigkeit, nicht andersherum. Das ist anders als bei uns Menschen. Für uns gibt es immer eine äußere Gesetzmäßigkeit, ein äußeres Prinzip, anhand dessen bestimmt wird, ob etwas das ich tue oder lasse gerecht oder ungerecht ist.

Glaube ich aber Gottes Wort, so muss ich auch annehmen, dass Gott absolut gerecht und vollkommen heilig ist, dass er demnach nichts getan hat, tut oder tun wird, das jemals “ungerecht” sein könnte. Dann komme ich für mich an den Punkt, an dem ich meine Definition und mein Empfinden für Gerechtigkeit überdenke, weil Gott richtet, Er vernichtet Menschen, die nach menschlichem Denken “unschuldige Zivilisten” sind… dabei gibt es niemanden, der schuldlos und damit unschuldig wäre. Straft und richtet nun Gott Menschen, so geschieht das ausschließlich auf Grundlage von Schuld und Sünde, denn eines jeden Herz ist böse von Jugend an. (1. Mose 6, 5 + 8, 21)

Ich bin beim Lesen meiner Bibel mit Jeremia bereits fertig… beim Nachdenken über diesen Propheten und seinen Dienst, muss ich sagen: dieser Prophet tut mir wirklich leid, weil Er so viel Gericht aussprechen musste, dafür (natürlich) gehasst wurde und litt für die Botschaft, die direkt von Gott kam und das auch ausrichtete, was sie bewirken sollte. Sie sollte aufwecken und den Hass des Menschen, die Bosheit, offenlegen. Das ging bei den Menschen, die Gottes Wort hörten, soweit, dass sie ihn folterten und auch immer wieder versuchten, umzubringen. Ihm wurde gedroht, auch wurde er in einer schlammigen Zisterne festgehalten, sodass er in den Schlamm tief einsank, ohne in diesem Zustand auch nur irgendwie ernährt zu werden.

Ein Mann, der von Gott wiederholt gebraucht wird, um zum Volk zu reden, stellen wir uns meist als anerkannter, wohlhabender und viel-geliebter Mensch vor. Und dann schaut man sich Jeremia an. Er suchte sich seine Berufung nicht aus und dennoch litt er gerne dafür – weil er es für seinen Herrn getan hat. Gott hatte ihn berufen, nicht er selbst. Gott hatte ihm diese schreckliche Botschaft des Gerichts gegeben, die er verkünden sollte und er tat es, nicht nur weil ihm nichts anderes übrig blieb, sondern weil er gehorsam war gegenüber seinem Vater. Der Lohn dieses Gehorsams war Hass, Ablehnung, Ausgestoßensein und immer-wieder-am-Rande-des-Todes-stehen auf dieser Erde, aber der höchste und beste Lohn in der Ewigkeit, den es gibt: bei Jesus zu sein. Das Leid hier auf der Erde musste Jeremia aushalten, weil Er Gott diente, indem er sprach, was ihm aufgetragen wurde.

Gericht Gottes anzukündigen, davon zu sprechen und das als vollkommen gerecht zu deklarieren, ist nicht etwas, das gerne gehört wird. Denn da wird Schuld offengelegt, da wird offenbart, wovon das von Jugend auf verdorbene Herz erfüllt ist.

Der Mensch mag nicht gerne hören, dass er böse und schlecht ist und gerechterweise ins Gericht kommt. Man vermeidet die Begriffe für das Gericht Gottes und seine Vergeltung, die Ausübung seines Gerichtes in vielen sichtbaren Formen auf der Erde.

Dennoch richtet Gott. Er warnt und ruft zur Umkehr zu Ihm auf. Er warnt, indem Er Menschen deutlich macht, wer der einzige Gott, “der Herr der ganzen Erde” (Psalm 97, 5) ist. Jeder Mensch, der sich unter seine Herrschaft beugt, gehört ihm, jeder, der das nicht tut, lehnt sich gegen ihn auf und wird gerichtet werden.

Jesus macht aber eine klare Unterscheidung, denn Er sagt: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.” (Johannes 5, 24)

Jeder also, der an Jesus glaubt, wird nicht gerichtet werden und warum nicht, wenn doch Gott “jedes Werk, es sei gut oder böse, in das Gericht über alles Verborgene” (Prediger 12, 14) bringen wird? Die Antwort ist nur in Christus. An Jesus wurde dieses Gericht für alle diejenigen vollzogen, die zu ihm, zu seinem Volk, gehören.

Gott sagt in Jeremia 4, 22: “(…) mein Volk ist närrisch, mich kennen sie nicht; törichte Kinder sind sie und unverständig. Weise sind sie, Böses zu tun; aber Gutes zu tun, verstehen sie nicht.”

Damit legt Gott offen, wie es im Herz seines Volkes aussieht. Sie sind nicht besser als alle anderen Völker, nur wird an ihnen noch deutlicher sichtbar, wie die gesamte Menschheit ist: sündig, durch und durch verdorben und sie alle sind “weise, Böses zu tun”, sie sind klug darin Ungerechtigkeit und Sünde zu leben und sich dabei fälschlicherweise als gerecht zu brüskieren.

Sich gegen Gott aufzulehnen und sich seiner Herrschaft nicht zu beugen, zeigt sich ganz unterschiedlich. Die einen sprechen diese Auflehnung offen aus, wieder andere verhärten ihr Herz, sodass es niemand anderem auffallen würde und so wird das nicht direkt sichtbar.

Doch lehnen sich alle auf. Jeder einzelne will sich Gott nicht unterordnen und sich beugen. Jeder hat im Grunde genommen ein stolzes Herz, auch wenn sich das verschieden äußert.

Und das ist der Moment, in dem Gnade zu einem unverdienten, aber im Anschauen des Gerichts unbedingt notwendigen Geschenk wird.

Denn Gott schenkt Glauben. Glauben an Jesus. Glauben, durch den Er rettet.

Ich bin aufgewachsen in der permanenten Angst vor Gottes Gericht, weil ich sündig bin, damit habe ich im Unverständnis von Jesus und sein Werk gelebt. Jetzt aber, nachdem mich Jesus lehrte und lehrt, sein Werk erklärt, mir stückweise das Wesen seines Vaters und den vollkommenen Plan der damit einhergeht, offenbart hat, weiß ich, dass das Gericht, dass Gott vollzieht, nicht nur absolut gerecht ist, sondern Er dadurch genauso verherrlicht wird, wie Er es in seiner Gnade wird, weil ich diese geschenkt bekam und ihn nun über alles liebe und erhebe…

Das Ziel des Gerichts ist es, dass der Mensch erkennen soll, dass Er, Gott, der Herr ist. In Hesekiel spricht Gott durch Hesekiel davon: “und sie werden wissen, dass ich der HERR bin, wenn ich Gerichte an ihm übe und mich an ihm heilige.” (Hesekiel 28, 22) Weiter heißt es in Vers 23: “und sie werden wissen, dass ich der HERR bin.”

Es geht um Erkenntnis Gottes, des Allmächtigen. Es geht darum, dass der Mensch erkennt und damit weiß, dass Gott der eigentliche HERR ist, nicht wir.

Gott verherrlicht sich im Gericht über Ungerechtigkeit und Sünde, wie Er es durch seine gnädige Zuwendung einem Sünder, wie ich einer bin, gegenüber tut.

Würde Gott richten und keine Gnade haben, so wäre Er ein Gott ohne Rettung.

Gnade aber ohne Gericht wäre keine Gnade, sondern eine Art Grundrecht, das einem Menschen zustehen würde.

Gott richtet und für mich hat Er mein Gericht vollkommen und endgültig schon vollzogen an seinem eigenen Sohn, der sich für mich hingab und starb, damit ich nicht sterben muss, sondern in Ewigkeit bei Ihm lebe, im Genuss seiner Herrlichkeit.

Voller Dankbarkeit und Freude strömt mein Herz über… ich liebe Ihn, meinen Vater und Jesus, den Christus, so so sehr.

…von Herzen,

Carolin

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