Wohin sollte ich gehen?

“Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist” (Johannes 6, 68-69).

Wohin nur sollte ich gehen? Weg von Jesus? Niemals. Weg von der Lehre des Evangeliums, die mein Leben verändert hat? Weg aus der christuszentrierten Lehre, die mich prägt? Weg von Jesus ist unmöglich. Warum? Er ist mein Leben. Weg von der Gemeinschaft der Kinder Gottes geht nicht. Warum? Weil ich Teil eines Leibes bin. Teil eines Ganzen, des Christus. Weg aus der Lehre des Christus ist undenkbar. Warum? Weil ich Ihn über alles liebe und mein Herz Hunger hat nach seinem Wort (Amos 8, 11).

Wohin sollte oder könnte ich auf dieser Welt gehen, sollte ich weggehen von Jesus? Es gibt keinen anderen Ort des Friedens (nach Johannes 14, 27 + 16, 33 + Epheser 2, 14). Es gibt keinen anderen Ort der Liebe (1. Johannes 4, 8). Es gibt keinen anderen Ort des wirklichen Angenommenseins (Johannes 6, 27). Es gibt keinen anderen Ort der überreichen Gnade (Epheser 2, 7). Es gibt keinen anderen Ort, wo Gnade herrscht, den Thron der Gnade, außer dem seinen (Hebräer 4, 16). Es gibt keinen anderen Herrn, der der Gute Hirte ist (Johannes 10,11 +14). Ich bin verwurzelt in ihm (Johannes 15, 5). Ich kann nicht einfach weg, nur weil es schwierig wird. Ich kann nicht einfach weg, nur weil das Leben gerade nicht leicht ist und ich Leid erlebe.

Leid offenbart meine Theologie. Die wirklich wichtige Frage, die ich mir stellen muss, wenn ich leide, ist diese: “Wohin laufe ich in diesen Momenten des Bewusstwerdens der eigenen Endlichkeit? Wohin streckt sich mein Herz aus, wenn es mir nicht gut geht und ich diesen Schmerz ganz tief spüre?”

Es gibt Momente, in denen man zerbricht. Ja. Es gibt Momente, in denen man sich nach dem Warum fragt. Definitiv. Es gibt Momente in denen man einfach raus will aus der Situation, raus aus dem Leid, das einen gerade umgibt. Ja. Das ist normal. Die Frage ist nicht, ob ich so oder so empfinde. Die Frage ist eher, wohin gehe ich damit? Wohin gehe ich mit meinem Schmerz, mit meinem Zweifeln, mit meinen Sorgen und innersten Nöten? Weiß ich, dass Gott mich voller Mitgefühl behandelt und mich sofort fest in seine liebenden Arme schließt, wenn ich zu ihm komme mit all dem, was mich gerade so sehr bedrückt? Denn genau das tut er. Sein Thron ist ein Thron der Gnade. Dort bekomme ich Gnade und Erbarmen. Dort werde ich empfangen von einem Hohepriester, der diese Welt und ihre schreckliche, von Leid durchzogene Endlichkeit kennt (Hebräer 4, 15). Der eine wahre Hohepriester, Jesus Christus, wartet nur darauf, dass ich zu ihm komme… in jedem dieser Momente, wo ich nicht weiterweiß, wo ich nichtmal mehr weiß, wohin mit mir. Dann zu ihm, dann in seine Nähe, dann in sein Wort, das so viel Trost für meine Seele enthält, weil es meinen Blick auf ihn ausrichtet. Dann zu seinem Thron der Gnade, wo Gnade und Barmherzigkeit auf mich warten. Dann in den Raum seiner Gnade, seiner Liebe mir gegenüber, denn ich weiß, ich bin sein Kind. Ich bin sein. Und das in Ewigkeit (Johannes 10, 28+29).

Leid offenbart meine wirkliche Theologie. Mein wahres Hoffen. Worauf setze ich mein Vertrauen? Worauf baue ich? Worauf hoffe ich? Auf irdische Dinge oder glaube ich wirklich, dass Jesus genügt? Was glaube ich wirklich über meinen Vater im Himmel, wenn es gerade keinen Sinn ergibt und ich leide?

Ist mein Glaube einfach nur aus Glaubenssätzen aufgebaut, denen ich generell zustimme, die aber gar keinen konkreten Platz in meinem Leben haben?

Was, wenn ich geprüft werde und leide, obwohl es für mich nicht so viel Sinn ergibt, da durch zu müssen?

Glaube ich dann weniger daran, dass Jesus souverän ist und wirklich alles in seiner Hand hält?

Glaube ich dann auch irgendwie nicht mehr so daran, dass Gott mir gegenüber liebevoll ist und nichts ohne Sinn und Ziel zulässt?

Glaube ich dann, dass Gott mich nicht mehr so wirklich liebt?

Eine der großen Versuchungen steckt darin, im Leiden zu beginnen, daran zu zweifeln, dass Gott, mein Vater, liebevoll, gut, gerecht, vollkommen und heilig ist und selbst die Definition von all diesen Eigenschaften durch sein Wesen bestimmt. Denn dann wäre es logisch, nicht mehr zu meinem Vater zu laufen und ihm all das zu bringen, was mich beschäftigt.

Ich kenne meinen Vater. Ich weiß, wie Er sich in seinem Wort offenbart und vorstellt. Ich weiß, dass Er mich liebt und seinen Sohn für mich gegeben hat.

Ich weiß, dass Jesus souverän herrscht – dann glaube ich das auch, wenn gerade alles am Wanken ist.

Ich weiß, dass mein Vater mich liebt – dann glaube ich das auch, wenn ich das gerade nicht fühle.

Ich weiß, dass mir alles zum Besten dient – dann glaube ich das auch, wenn es nicht so scheint.

Ich weiß, dass sein Wille immer geschieht – dann glaube ich das auch, wenn mein Wille gerade nicht erfüllt wird.

Ich weiß, dass Jesus weiß, was ich brauche – dann glaube ich das auch, wenn ich mich gerade alleine und ungesehen fühle.

Ich weiß, dass Jesus gerne gibt, denen die bitten – dann glaube ich das auch, wenn gerade etwas unerfüllt und mein Gebet unerhört bleibt.

Jesus hat versprochen, denen Ruhe zu geben und Frieden für ihre Seele, die zu ihm kommen mit ihrer Last und all dem, an was sie schwer tragen… (nach Matthäus 11) und ich weiß, dass Er treu ist und das tut, was er versprochen hat. Also komme ich vor ihn und erbitte das, was er versprochen hat und ich weiß, er wird mich nicht leer zurückschicken. Er liebt mich.

Ich laufe zu ihm, weil ich weiß, dass nur Er Worte des ewigen Lebens hat. Ich weiß, dass bei ihm mein Herz zur Ruhe kommt und meine Sehnsucht gestillt wird. Ich laufe zu ihm, weil ich erkannt habe, wer er ist, wie Petrus zu Jesus sagte – der Heilige Gottes. Er ist derjenige, der wirklich vollkommen gelebt hat und die Versuchungen des Zweifelns an Gottes Güte nicht nur theoretisch kennt, sondern er hat sie überwunden. Er kennt meine Versuchungen. Er kennt meine Last. Er hat sie für mich getragen und trägt sie jetzt gerade für mich. Er ist mein Hohepriester, der vor dem Vater für mich eintritt.

Jesus ist der Hohepriester, der Mitleid zu haben vermag (nach Hebräer 4) und ich komme freimütig vor den Thron der Gnade, weil ich weiß, wer darauf sitzt und ich werde von Ihm Barmherzigkeit empfangen und bei Ihm Gnade finden…

Wenn ich zerbreche, dann vor seinem Thron. Wenn mein Herz in tausend Scherben liegt, dann nicht, ohne dass es mein Vater sieht, der mich liebt. Wenn ich versucht bin, mein Herz mit Neid, Hochmut und Zweifeln an seiner Liebe zu füllen, dann weiß Er das nicht nur, sondern Er begegnet mir genau darin mit so viel Erbarmen. Mir ist vergeben.

Er kennt mein Herz, Er kennt den Schmerz. Er weiß um meinen Zerbruch und Er lässt mich nicht alleine. Er sorgt sich voller Liebe um meine Seele. Ich weiß, dass mein Gott gut ist. Ich will nicht aufhören zu ihm zu laufen. Das ist der einzige Ort, an dem ich Frieden und Ruhe für meine Seele finde, mitten im Erleben des Leids, mitten in dem Elend der Endlichkeit, mitten in dieser Situation, die ich mir selbst nie ausgesucht hätte.

Ich laufe zu ihm, meinem Herrn. Ich laufe in seine Gegenwart und erwarte sein Reden. Ich laufe zu der Lehre seines Wortes, um seine Stimme zu hören und ausgelegt, erklärt, zu bekommen, was mein Herz hören muss. Ich laufe hin zu meinen Geschwistern im Glauben, weil ich weiß, dass Gemeinschaft und Ermutigung auf mich warten. Ich bin nicht allein. Mein Herr ist nicht nur bei mir, Er lebt in mir. Er in mir und ich in ihm. Das genügt.

Gott sagte zu Paulus: “Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.” Und Paulus folgert daraus: “Daher will ich mich am allerliebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus über mir wohne” (2. Korinther 12, 9).

Seine Gnade ist überreich und genügt. Wenn sich mein Herr durch die Nöte und Schwierigkeiten, Probleme und unüberwindbar scheinende Dinge in meinem endlichen Leben verherrlichen will, dann ist es okay. Denn seine Gnade genügt mir. Wenn mein Vater mich genau da haben will, im Leid, im Erleben von Schwere, dann will ich das annehmen. Denn ich weiß, mein Vater liebt mich und alles will ich deshalb aus seiner liebenden Hand annehmen… auch wenn es gegen das geht, was ich gemeint habe zu wissen, es wäre gut für mich. Er soll sich verherrlichen in meinem Leben (Philipper 1, 18 +20). Es geht um ihn, nicht um mich.

Zu wem gehe ich? Zu Jesus. Bei wem suche ich nach Ruhe und Frieden? Bei Ihm. Und er gibt gerne. So so oft habe ich das erlebt und das allein ist Gnade, unverdient. Danke, Jesus!

…aus der Tiefe meines Herzens

Carolin

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