Dein Wille geschehe über meinem Willen, denn dein Wille ist entscheidender, wichtiger und so viel besser als mein Wille. Das soll die Haltung meines Herzens noch viel mehr sein.
Als Jesus diese Worte sprach (Lukas 22, 42), war er im Garten Gethsemane, kurz vor seiner Kreuzigung. Er wusste, was auf ihn zukommen würde und er nahm das freiwillig auf sich. Er wusste, was dort in der Geißelung und dem schrecklich schmerzhaften Leiden am Kreuz auf ihn wartete und er nahm das aus der Hand seines Vaters an…
In letzter Zeit haben mich diese drei Worte sehr bewegt. In einer Zeit, in der ich Leid erfahre und manchmal nicht das Licht am Ende des Tunnels sehe, sondern die Dunkelheit mich einzufangen versucht, bleiben diese drei Worte in meinem Herz.
Dein. Wille. Geschehe.
Oft ist mein Gebet eben nicht von dieser Bedeutung der drei Worte geprägt. Oft bete ich, weil ich will, dass das geschieht, was ich will. Oft bete ich, weil ich mich letztendlich dann doch um mich selbst drehe und nicht um Ihn, dem die Ehre gebührt.
Mir ist neu bewusst geworden wie unendlich kostbar diese drei einfachen Worte sind. Es ist die Bitte, dass nicht was ich will geschehen soll, sondern dass der Ratschluss des Vaters zustande kommt. Es steht gegründet auf der Gewissheit, dass stets sein souveräner Ratschluss zustande kommt, weil Er Gott ist und ich nicht. Es ist die Bereitschaft meines Herzens, den Wunsch, der sich so tief in meiner Seele verankert, loszulassen. Um seinetwillen. Weil Er es mir wert ist. Deshalb kann ich auch den größten und noch so sehnlichen Wunsch ihm überlassen. Er herrscht, Er bestimmt, Er ist Gott. Und ich bin es nicht.
Die Bereitschaft meines Herzens mich wirklich ganz meinem himmlischen Vater hinzugeben und mich gebrauchen zu lassen ist ein Prozess der Demütigung, ein Prozess, den ein zerbrochenes Herz durchläuft, das gereinigt und geheiligt wird von Ihm. Es ist die Sehnsucht danach, Jesus mit dem eigenen Leben zu verherrlichen und nichts anderes für kostbar oder würdig zu erachten außer Ihm.
Ich sage diese Worte nicht einfach, weil ich komplett blind vertrauen muss, sondern weil ich gelernt habe, wie mein himmlischer Vater ist. Liebevoll. Gnädig. Barmherzig. Er hat gute Pläne für mich bereit, wie Er es durch Jeremia (29, 11) verheißt.
In Hebräer wird uns erklärt, dass Jesus die Leiden des Kreuzes auf sich nahm, freiwillig sich hingab und hat schlagen lassen, weil Er die vor ihm liegende Freude sah. Wir laufen unseren Lauf des Glaubens mit Ausdauer, “indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes” (Hebräer 12, 2). Ganz nebenbei: Ich kann diesen Lauf nur deshalb mit Ausdauer laufen, weil Jesus vorausgegangen ist und ich mit meinem Blick alleine Ihn suche.
Jesus sprach diese Worte “Dein Wille geschehe” unmittelbar vor den Qualen des Kreuzes nicht, weil Er einfach blind gehorchte… Er sprach diese Worte, weil Er wusste, dass Gott, sein Vater, fähig war, das zustande zu bringen, was Er versprochen hatte zu tun. Nämlich, seinem Sohn eine Braut zu bereiten durch das Werk, das Jesus am Kreuz vollbringen würde. Jesus glaubte und vertraute darauf, dass sein Werk, dessen Vollbringung unmittelbar bevorstand, das vollkommene und herrliche Ende nehmen würde: die Erlösung einer geheiligten Braut. Diese Braut, die Gemeinde, welche Er durch sein Werk am Kreuz erlöste, wird er eines Tages auch vollkommen gerecht und makellos vor sich hinstellen, denn Er vermag das zu tun (Judas 24)- und darauf vertraue ich.
In dem Wissen, dass die Pläne, die mein Vater für mich hat, gut sind und Er vollkommen heilig, rein und gerecht ist, kann ich sagen: Herr, Dein Wille geschehe. Ich vertraue darauf, dass Du mich liebst und deshalb mit mir das machen wirst, was zu deiner Verherrlichung dient. Du wirst nicht zulassen, dass ich über mein Vermögen hinaus versucht werde (nach 1. Korinther 10, 13) – wie auch immer diese Versuchung aussieht.
Jesus lehrt im Vater Unser, dass auch wir so beten sollen, mit der Einstellung, dass wir seinen Willen umgesetzt sehen wollen… mit der Bereitschaft meines Herzens, seinen Willen für mich anzunehmen, danach zu leben und in dem Streben danach zu wachsen, seinen Namen mit meinem Leben zu erheben.
In einem Lied, das über diese drei Worte geschrieben wurde, heißt es (aus dem Englischen übersetzt): “Ich bin verwirrt. Ich weiß, ich habe dich laut und deutlich gehört, also habe ich weitergemacht. Irgendwie bin ich hier gelandet. Ich will nicht daran denken, dass ich vielleicht nie verstehen werde, dass mein gebrochenes Herz ein Teil deines Plans ist. Wenn ich versuche zu beten, ist alles, was ich habe, Schmerz und diese drei Worte: Dein Wille geschehe. (…) Ich weiß, Du bist gut. Aber das fühlt sich gerade nicht gut an und ich weiß, Du denkst an Dinge, an die ich nie denken könnte. Es ist schwer, alles als Freude zu sehen, abgelenkt vom Lärm, versuche nur, einen Sinn zu finden in all deinen Versprechen. Manchmal, da muss ich innehalten und mich daran erinnern, dass Du Gott bist und ich bin es nicht, also: Dein Wille geschehe. (…) Dein Wille geschehe. Wie ein Kind auf meinen Knien, alles, das mir in den Sinn kommst ist: Dein Wille geschehe. (…) Ich weiß, Du siehst mich. Ich weiß, Du hörst mich, Herr. Deine Pläne sind für mich, Gutes hast Du für mich bereit.”
Immer wieder singt sie dann “Dein Wille geschehe” in dieser demütigen und gleichzeitig anbetenden Haltung… Ich liebe dieses Lied so sehr und höre es mir immer wieder an, weil es mein Herz darauf einstellt, demütig vor meinen Vater zu kommen und zu sagen: Herr, Dein Wille über meinem Willen. Dein Wille geschehe. Und ich erwarte das sehnsüchtig. Ich will mich Dir beugen.
Meine Gedanken hierzu, die ich gerne mit euch teilen wollte…
Carolin
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